Wissen: Hebelzertifikate

In diesem Artikel erhalten Sie eine Einführung in die Welt der Hebelzertifikate. Da es sich bei Hebelzertifikaten um attraktive, aber auch spekulative Hebelprodukte handelt, ist es unerlässlich sich mit dieser Materie im Vorhinein zu beschäftigen.

Hebelzertifikate – Einführung

Der deutsche Markt für Hebelzertifikate ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Daher ist es, für den richtigen Umgang mit diesen Produkten, unerlässlich sich intensiv mit dem Thema Hebelzertifikate zu befassen. Da auch hier auf ik-invest.de immer wieder interessante Hebelzertifikate vorgestellt werden, macht es also Sinn sich mit der Materie intensiv auseinander zu setzen, um die Vor- aber auch die Nachteile von Hebelzertifikaten besser einschätzen zu können. Hebelzertifikate sind besonders für die aktiven Trader unter Ihnen das tägliche Werkzeug. Daher versuchen wir Ihnen in dieser Wissensrubrik (Wissen: Hebelzertifikate) eine Einführung in die Welt dieser Hebelprodukte zu geben.

Ein Hebelzertifikat ist nicht gleich einem anderen Hebelzertifikat. Man unterscheidet zwischen Hebelzertifikaten mit begrenzter Laufzeit, sogenannten Turbo Optionsscheinen, und Hebelzertifikaten mit unbegrenzter Laufzeit, sogenannten Mini Futures oder Unlimited Turbos. Im Folgenden werden wir Ihnen zunächst die Hebelzertifikate „Turbo Optionsscheine“ und „Mini Futures“ näher vorstellen:

Hebelzertifikate – Turbo Optionsscheine

Turbo Optionsscheine reagieren um ein Vielfaches verstärkt (sog. „Hebelwirkung”) auf die prozentualen Bewegungen ihres Basiswertes. Mit geringem Kapitaleinsatz können so überdurchschnittliche Gewinne erzielt werden. Mit Turbos Long kann der Anleger auf steigende, mit Turbos Short auf fallende Kurse des zugrundeliegenden Titels setzen. Die Funktionsweise von Turbos ist besonders transparent und leicht verständlich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Optionsscheinen, spielen Aspekte wie der Einfluss der Volatilität des Basiswertes oder der zunehmende Zeitwertverfall mit der abnehmenden Restlaufzeit so gut wie keine Rolle. Der aktuelle Preis eines Turbos ergibt sich fast ausschließlich aus der Differenz zwischen dem Stand des Basiswertes und dem Basispreis des Turbos.

Folglich kann sich der Anleger beim Einsatz dieser Produkte auf die Kursprognose für den Basiswert konzentrieren, ohne sich weitreichende Gedanken über die Preisbildung des Turbos machen zu müssen. Und genau dieser Aspekt der unkomplizierten Preisbildung war entscheidend, als BNP Paribas im November 2001 als erster Emittent dieses völlig neuartige Hebelprodukt aus der Taufe hob. Bis heute hat sich daraus ein eigenständiges Marktsegment entwickelt, das mit verschiedenen Produktvarianten milliardenschwere Umsätze auf sich zieht.

Hebelzertifikate – Turbo Optionsscheine – Chancen und Risiken

Turbo-Investments werden meist auf einen vergleichsweise kurzfristigen Anlagehorizont ausgerichtet. Gewinne sollen nach Möglichkeit unmittelbar nach dem Kaufzeitpunkt auflaufen und sichergestellt werden, sobald die Erwartungen erfüllt wurden. Einige Anleger terminieren ihre Positionen dabei auf Tage oder Wochen, andere schwören auf das Intraday-Trading und halten ihre Turbos nicht einmal über Nacht. In den seltensten Fällen werden die schnellen Scheine aber mit dem Blick auf eine Haltefrist bis zum Verfalltag erworben. Daher sind vor allem die Preisbewegungen und damit die Chancen und Risiken während der Laufzeit entscheidend. Hierbei blickt der Anleger auf die absoluten und prozentualen Bewegungen im Verhältnis zu den Schwankungen des Basiswertes, wobei das Knock-Out Risiko immer
berücksichtigt werden muss.

Quelle: http://www.derivate.bnpparibas.com/DE/MediaLibrary/Document/Backend/Brochures/Turbo-Optionsscheine.pdf

Hebelzertifikate – Mini Futures

Mit einem Mini Long bzw. Mini Short besitzen Sie ein Hebelprodukt, das die Kursbewegungen des Basiswertes nahezu 1:1 nachbildet. Diese Art von Hebelzertifikaten besitzen eine vorgelagerte (vor dem Basiskurs) Stop Loss Schwelle, bei deren Erreichen oder Unterschreiten (im Fall eines Mini Longs) bzw. Überschreiten (im Fall eines Mini Shorts) die Produkte fällig gestellt werden. Die Finanzierungskosten werden täglich im Basiskurs berücksichtigt und da der Abstand zwischen Basiskurs und Stop Loss Schwelle immer konstant bleibt, orientiert sich auch die tägliche Festsetzung der Stop Loss Schwelle an diesen Finanzierungskosten. Die Finanzierungskosten müssen dabei täglich angepasst werden, da es sich bei Mini Long und Mini Short Produkten, um Turbos mit unbegrenzter Laufzeit (Open End) handelt und die Finanzierungskosten nicht im Vorhinein eingepreist werden können, da die Laufzeit ungewiss ist. Bei den klassischen Turbo Optionsscheinen (Hebelprodukte mit bregrenzter Laufzeit) ist dies anders, da die Laufzeit vom Emissionstag an bekannt ist und somit die Finanzierungskosten planbar sind!

Bei einem Mini Long, wie auch dem Mini Short (wie erwähnt auch Open End Turbos genannt) ist die Preisbildung besonders einfach und transparent, was besonders bei dem Setzen eines Stop Loss hilft. Der aktuelle Preis eines Mini ergibt sich immer aus der Differenz des aktuellen Kurses des zugrunde liegenden Basiswerts und dem Basispreis des Mini Long bzw. Mini Short, gewichtet mit dem Bezugsverhältnis. Weitere Preisbestandteile existieren nicht. Sie dürften also keine Probleme haben, den Preis eines Mini jederzeit nachvollziehen zu können. Beispielsweise kostet ein Mini Long (Spekulation auf steigende Kurse) auf den DAX, mit Basispreis 7.000 Punkten, einem DAX Stand von 8.000 Punkten und einem Bezugsverhältnis von 0,01 –> 10 Euro: [DAX Stand (8.000 Punkte) – Basispreis (7.000 Punkte)] * Bezugsverhältnis (0,01) = 10 Euro

Steigt der DAX dann im Laufe der Zeit auf 8.800 Punkte, besitzt der Mini Long einen Wert von 18 Euro. Das Hebelzertifikat steigt also um 80%, während der DAX (Basiswert) nur 10% steigt. Hier sehen Sie auch direkt den Hebel von 8. Der Hebel drückt aus, um wieviel der Mini (Open End Turbo) steigt, wenn der Basiswert um 1% steigt (im Falle von Mini Longs) bzw. wenn der Basiswert um 1% fällt (im Falle von Mini Shorts). Die Berechnung für Mini Shorts (Open End Turbo Short) ist analog zur der Berechnung für Mini Longs (Open End Turbo Long), nur mit umgekehrten Vorzeichen.